Warum ich mein Energiedatenmonitoring mit einer lizenzfreien Open-Source-Lösung umgesetzt habe
Klassische Zählerkonzepte haben für mich lange funktioniert – bis sie es irgendwann nicht mehr getan haben.
Ich war es leid, Zähler manuell abzulesen oder auf Abrechnungen von Versorgern zu warten. Vor allem dann, wenn ich an einer Anlage etwas geändert habe.
Wenn ich eine Maßnahme umsetze, möchte ich wissen, ob sie wirkt. Und zwar zeitnah. Nicht erst am Monatsende, nicht im nächsten Report, sondern möglichst mit wenigen Sekunden Verzögerung.
Genau an diesem Punkt haben mich viele bestehende Lösungen enttäuscht.
Rückblick: Was klassische Zählerkonzepte leisten - und was nicht
Die meisten Zählerkonzepte sind für einen Zweck optimiert: Abrechnung.
Das ist wichtig und richtig, reicht für einen aktiven Gebäudebetrieb aber nicht aus.
Was mir gefehlt hat:
- keine kontinuierliche, zentrale Datenerfassung
- keine Echtzeitdaten
- kaum Transparenz über das, was im Netz tatsächlich passiert
- eingeschränkter Zugriff auf Rohdaten
- Auswertungen oft nur über proprietäre Portale
- Wenn Probleme auftreten, helfen reine Verbrauchsdaten nur bedingt.
Dann möchte ich nicht nur sehen, wie viel Energie verbraucht wird, sondern auch:
- Spannungen
- Frequenzen
- Lastverläufe
- Auffälligkeiten oder Abweichungen
Gerade in modernen Systemen entstehen pro Messpunkt schnell viele Datenpunkte. Diese werden von den Zählern ohnehin erfasst - aber nicht immer vollständig zur Verfügung gestellt.
Lizenzmodelle als Dealbreaker
Ein weiterer Punkt, der für mich immer problematischer wurde, sind die gängigen Lizenzmodelle.
Viele Systeme funktionieren nach dem Prinzip:
- Preis pro Zähler
- Preis pro Datenpunkt
- monatliche Gebühren für Auswertungen, Dashboards oder Exporte
Damit steigen die laufenden Kosten nicht mit dem Nutzen, sondern mit der Komplexität des Systems.
Je genauer ich messen möchte, desto teurer wird es - Monat für Monat.
Für mich war klar:
Wenn die Daten ohnehin erfasst werden, warum sollte ich für deren Auswertung immer wieder neu bezahlen?
Meine Anforderungen an ein sinnvolles Energiedatenmonitoring
Bevor ich mich für eine konkrete Lösung entschieden habe, habe ich mir klargemacht, was ich eigentlich brauche:
- zentrale Datenerfassung
- Echtzeitfähigkeit
- Zugriff auf alle erfassten Messwerte
- herstelleroffene Architektur
- keine laufenden Lizenzkosten
- langfristige Nutzbarkeit ohne Abhängigkeit von einem Anbieter
- Möglichkeit, Auswertungen flexibel anzupassen
Nicht als theoretisches Konzept, sondern für den täglichen Betrieb von Gebäuden.
Warum ich mich für eine Open-Source-Lösung entschieden habe
Am Ende habe ich mein Energiedatenmonitoring mit einer lizenzfreien Open-Source-Software umgesetzt – konkret mit Home Assistant als zentraler Plattform.
Nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus ganz praktischen:
- keine Lizenzkosten
- volle Kontrolle über die Daten
- herstelleroffene Integration
- hohe Flexibilität bei Auswertungen
- Erweiterbarkeit, wenn sich Anforderungen ändern
Alle Messdaten laufen zentral zusammen und stehen vollständig zur Verfügung – ohne Begrenzung nach Datenpunkten oder Zählern.
Technischer Überblick (auf konzeptioneller Ebene)
Das System ist bewusst klar strukturiert:
- fest installierte Energiemessgeräte
- kabelgebundene Anbindung
- Kommunikation über MQTT
- zentrale Verarbeitung auf einem lokalen Server
- getrenntes Netzwerk für Gebäudeautomation und Messdaten
(physisch getrennt oder als VLAN) - optional: Anbindung über LTE, z. B. direkt aus der NS-Verteilung
Die Datenerfassung erfolgt lokal. Es gibt keine zwingende Cloud-Abhängigkeit.
(Technische Details, Typen oder Hersteller lasse ich hier bewusst außen vor – der Fokus liegt auf dem Konzept, nicht auf einzelnen Produkten.)
Dashboards, Auswertungen und Zugriff
Je nach Nutzung und Fragestellung richte ich:
- Dashboards
- Auswertungen
- Kennzahlen
gezielt ein.
Wichtig ist mir dabei ein Punkt ganz besonders:
Der Nutzer hat vollen Zugriff auf das System.
- Einsicht in alle Messdaten
- Möglichkeit, Dashboards selbst anzupassen
- bei entsprechendem Know-how auch eigene Erweiterungen
Betrieb: selbstständig oder mit Unterstützung
Das System kann vollständig durch den Betreiber selbst betrieben werden.
Alternativ übernehme ich:
- den technischen Betrieb
- Updates
- Systemüberwachung
- Unterstützung bei Anpassungen oder Erweiterungen
Beides ist möglich – ohne spätere Abhängigkeiten oder Zwang zu laufenden Verträgen.
Für wen dieses Konzept sinnvoll ist - und für wen nicht
Dieses Energiedatenmonitoring ist sinnvoll für:
- Betreiber, die aktiv optimieren wollen
- Gebäude mit technischer Komplexität
- Nutzer, die ihre Anlagen verstehen möchten
- Projekte, bei denen Transparenz wichtiger ist als Hochglanz-Portale
Weniger sinnvoll ist es, wenn:
- ausschließlich eine Abrechnung benötigt wird
- keinerlei Interesse an laufender Auswertung besteht
- ein vollständig geschlossenes System gewünscht ist
Es ersetzt keine eichrechtskonforme Abrechnung, sondern ergänzt sie. - und kann die Datenerhebung für eine ISO 50001 Zertifizierung sein.
Fazit
Ich habe dieses System zunächst für mich selbst aufgebaut.
Der Auslöser war ein ganz praktischer Bedarf:
Energiedaten nicht nur zu sammeln, sondern im laufenden Betrieb verstehen und nutzen zu können.
Schon heute kann ich damit:
- Energieverbräuche detailliert analysieren
- ungewöhnliche Lasten und Energiefresser identifizieren
- Anlagen gezielt beeinflussen, etwa durch:
- Abschalten einzelner Verbraucher
- Anpassen von Abluft- oder Lüftungsleistungen über Steuersignale
Das System ist aktuell klar auf Monitoring und Auswertung fokussiert.
Perspektivisch möchte ich es jedoch weiterentwickeln – hin zu einer Plattform, mit der sich nicht nur messen, sondern auch Anlagen bewerten und steuern lassen.
Ob und wann daraus eine vollständige Gebäudeleittechnik wird, ist offen.
Das ist ein weiter Weg. Aber die kleinen Schritte zählen.
Für mich ist entscheidend:
Schon heute lassen sich mit überschaubarem Aufwand Transparenz schaffen, Zusammenhänge erkennen und fundierte Entscheidungen treffen – ohne hohe Lizenzkosten und ohne Abhängigkeit von einem Hersteller.
